Westdeutsche Zeitung

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Krefelder produziert klimafreundlichen Kaffee

Westdeutsche Zeitung Oktober 2019
Artikel von André Lerch

Rudi Bettinger vom Bio-Laden & Cafe „Natürlich Bettinger“ bietet seinen Kunden an der Friedrich-Ebert-Straße den Kaffee „Don Roberto“ aus Costa Rica an.

Früher trank Senol Halfar über den Arbeitstag verteilt mal gut und gerne zwischen zehn und 15 Tassen Kaffee. Er ist ein Liebhaber des Aufgusses. Das war er schon, als er vor vier Jahren die Idee hatte, eine eigene Marke zu entwickeln und diese hierzulande zu verkaufen. Einen Kaffee, der anders ist als die herkömmlichen und auch irgendwie zum Zeitgeist passt. Der Krefelder rief mit seinem Unternehmen den „Don Roberto Coffee“ ins Leben, den „ersten 100-prozentig klimafreundlichen Kaffee“ in Deutschland. Seit drei Monaten ist die Firma mit dem Getränk auf dem Markt. In Krefeld gibt es drei der bisher fünf Verkaufsstellen im ganzen Land. Die Stadt ist sozusagen der Mittelpunkt des Vertriebs. Weitere Lokalitäten sollen im Laufe der Zeit am Niederrhein dazukommen. Es ist eine Nische, in die er mit seinem Vier-Mann-Betrieb hinein will.
Als sich die Industriestaaten in 2015 bereit erklärten, das Klima in Zukunft nachhaltig zu schützen, rief das auch Halfar auf den Plan. Der Weg führte ihn nach Costa Rica. Mit Fördergeldern aus Deutschland und Großbritannien, so erzählt es der 46-Jährige, sollte vor Ort geholfen werden, klimafreundlichen Kaffee zu produzieren, also die CO2-Emissionen bei Anbau, Produktion und Versand zu minimieren. „Costa Rica stellt mit den besten Kaffee der Welt her“, sagt Geschäftsführer Senol Halfar. Die Höhe, die Lage, das Vulkangebiet machten viel her. Dort aus dem Hochland bezieht er mit seiner Firma auch die Arabica-Bohnen. Der Name „Don Roberto Coffee“ ist angelehnt an einen Costa Ricaner, der als Erster die Idee formulierte, klimafreundlichen Kaffee herzustellen.

Der Krefelder Senol Halfar hat als Geschäftsführer die Marke vor vier Jahren ins Leben gerufen. Auf dem Markt ist der Kaffee, der hochgradig klimafreundlich hergestellt werden soll, seit drei Monaten. Krefeld bildet den Mittelpunkt des Verkaufs des Kaffees. An drei Stellen kann man die Bohnen erhalten: Kleines Antiquariat Esther & Isabelle an der Rheinbabenstraße, Natürlich Bettinger an der Friedrich-Ebert-Straße und beim KFZ-Meisterbetrieb Halfar an der Moerser Straße und unter: donrobertocoffee.com

Der ehemalige Moltke-Schüler lebt seit vier Jahren in Costa Rica
Der frühere Moltke-Schüler Senol Halfar aus Krefeld lebt seit vier Jahren in Costa Rica. Er ist nah dran an den Prozessen. Drei Säulen sind seiner Philosophie nach ausschlaggebend für seine Idee: Klimaschutz, die eigene Gesundheit und die Unterstützung der Bauern in Costa Rica, denen er mit verbesserten Methoden auch unter die Arme greifen will. Stichwort Nachhaltigkeit. „Was bedeutet uns Klimaschutz im Alltagsleben?“ fragt Halfar. „Kaffee ist das beliebteste Getränk der Deutschen. Noch vor Bier.“ Ziel sei es, beim Anbau schon 82 Prozent weniger Pestizide zu verwenden. Das käme schließlich auch dem Verbraucher zugute. „Kaffee ist ein organischer Stoff. Er nimmt die Chemie in sich auf“, sagt Halfar.

Die Krefelder Firma mit Sitz an der Moerser Straße wolle nur mit Bauern zusammenarbeiten, die ihre Produktion nachweislich zertifiziert emissionsarm gestalten, schreibt das Unternehmen. Überhaupt sollen die Ausstöße von Kohlenstoff in der gesamten Herstellungs- und Transportkette reduziert werden. Senol Halfar will wachrütteln. „Darüber, dass der Status Quo unsere Welt dauerhaft beschädigt“, heißt es in einem Bulletin. Klimaschutz und Nachhaltigkeit fange bei jedem Einzelnen an. Das Problem: Der Kaffeesektor trage massiv zum Klimawandel bei.
Noch hat dieses Vorhaben wenig Aufmerksamkeit erzeugt. Halfar sieht sich und sein Unternehmen in einer „Robin-Hood-Rolle.“ Ein Außenseiter, der aber am Establishment rüttelt. Der Klimawandel lässt die Menschen aufhorchen. Da sieht er eine Marktchance. Halfar denkt auch an Bioläden als Verkaufsstellen. Vertrieben wird in Krefeld neben dem Bücherladen Kleines Antiquariat Esther & Isabelle in Linn auch bei Natürlich Bettinger an der Friedrich-Ebert-Straße und bei seinem Vater im KFZ-Meisterbetrieb Halfar auf der Moerser Straße.

Klimaneutral allerdings ist auch der neue Kaffee noch nicht, das muss Senol Halfar einräumen. Der Transport nach Hamburg, wo die Bohnen gelagert werden und dann nach Hannover, wo geröstet wird und anschließend in die Verkaufsstellen passiere noch auf dem herkömmlichen Weg. „Das ist noch eine kleine Schwachstelle.“

Halfar genießt derweil den Arabica-Kaffee in seiner Wahlheimat Costa Rica. Er ist ein bisschen verwöhnt davon, wie er sagt. Ehe er auf Reisen nun zu anderen Sorten greift, steigt er lieber um: Er trinkt dann lieber Tee.

Foto: Andreas Bischof

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